


Hier das Angebot zum download in: Deutsch Englisch Französisch Alemannisch
Angebot für pädagogische Einrichtungen:
Sprache erleben – Sprache fördern
Gemeinsam Sprache fördern
Logopäden und Erzieherinnen im Tandem
Exemplarisch am Modellprojekt im Kindergarten Pestalozzi, Lörrach
in Kooperation mit Anja Mannhard,
Praxis für Logopädie & Personzentrierte Beratung, Lörrach
Inhalt

Sprachliche Bildung und Sprachförderung
Gezielte Sprachförderung im Kindergarten kann insbesondere für mehrsprachige Kinder eine geeignete Möglichkeit sein, die deutschsprachigen
Kenntnisse zu verbessern und somit den (mehrsprachigen) Spracherwerb und die Bildungschancen zu erweitern.
Sprache hat einen großen Stellenwert und ist Grundlage für gelingende persönliche Entwicklung und erfolgreiche Teilhabe an der Gesellschaft.
Sprachförderung umfasst die Gesamtheit sprachlicher Anregungen, die ein Kind in den ersten Lebensjahren in seiner sozialen Umgebung erfährt, die in Familien stattfindet und die sich fortsetzt in sprachfördernden erlebnis- und erfahrensorientierten Angeboten im Kindergarten und später in der Schule. Unzureichende oder lückenhafte Deutschkenntnisse erschweren die Chancengleichheit von mehrsprachigen Kindern, hingegen ist gelungene Mehrsprachigkeit eine Bereicherung. Hierbei ist ein offener, interessierter Blick auf Ressourcen und Besonderheiten sowie die kreative Gestaltungsfähigkeit im Umgang mit (mehreren) Sprache(n) von Bedeutung.
Kinder im Kindergartenalter eignen sich Sprache intensiv und handlungsorientiert an. Sprache wird zum Träger ihres Handelns, Verstehens und Verarbeitens von Erfahrungen und der Gestaltung sozial-kommunikativer Beziehungen. Aus diesen Erfahrensmöglichkeiten leitet sich der Sprachförderauftrag im Kindergarten ab, sodass die Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung zu unterstützen sind. Ein Teil der mehrsprachigen Kinder benötigt über den Kindergartenalltag hinausgehende Förderung zur Verbesserung der deutschsprachigen Kenntnisse. Im ersten Kindergartenjahr müssen sich einige Kinder, deren Familiensprache nicht Deutsch ist, auf die aktive Verwendung der deutschen Sprache umstellen und benötigen dazu gezielten deutschsprachigen Input. Auch ältere mehrsprachige Kinder profitieren oftmals von gezielter Sprachförderung in Bezug auf Erweiterung des deutschsprachigen Wortschatzes und der Verwendung von grammatischen Strukturen wie Satzbau, Artikel- und Pluralformen.

Informationen zum mehrsprachigen Spracherwerb
Von Bedeutung für die mehrsprachige Erziehung ist die Wertschätzung der Sprachenvielfalt im Kindergarten und dass diese im Alltag einbezogen wird. Dadurch lässt sich das Erlernen der deutschen Sprache unterstützen. Wie der mehrsprachige Sprachbaum zeigt, bauen die beiden Sprachen, die sich in zwei Baumkronen zeigen, in der Entwicklung auf denselben Baumwurzeln und demselben Baumstamm auf. Somit entwickelt sich die Zweitsprache aufgrund einer gut ausgebildeten Erstsprache, infolgedessen sollten auch beide Sprachen gefördert werden.
Die Muttersprache ist die Sprache, die am besten beherrscht wird. Die Sprachen von Mutter und Vater können verschieden sein, d.h. sie
können zwei oder mehr Sprachen gleichzeitig verwenden. Hilfreich ist hier, dass es in der Familie klare Regeln im Umgang mit den Sprachen gibt:
Die Sprache soll kann den Personen zugeordnet sein (bspw. Vater Türkisch, Mutter Deutsch) oder es können „Sprachinseln“ geschaffen werden (bspw. Gespräche beim Abendbrot immer in Türkisch, Vorlesen der Gute- Nacht- Geschichte immer in Deutsch).
Von den bisherigen sprachlichen und emotionalen Erfahrungen des Kindes hängt ab, in welcher Sprache es spricht (oftmals die, die es besser
beherrscht). Das Lernen einer zweiten Sprache ist umso leichter, je früher das Kind beginnt, die zweite Sprache zu erlernen und je öfter es die zweite Sprache einsetzen kann: im Kindergarten, auf dem Spielplatz, mit Freunden. Der regelmäßige Kindergartenbesuch und die Teilnahme an alltagsorientierter und ggf. spezifischer Sprachförderung unterstützt den Zweitspracherwerb. Die Zweitsprache soll entsprechend motivierend gefördert und von den Eltern unterstützt werden, indem sie eine positive Einstellung zur Mehrsprachigkeit vermitteln. Dies geschieht alltagsorientiert und mit Freude und entspricht keinem „schulischen“ Üben.
es aussprechen lassen, nicht direkt korrigieren, mit ihm spielen (statt „zu üben“) und dabei handlungsbegleitend sprechen, in vollständigen und
korrekten Sätzen wiederholen (und ggf. indirekt berichtigen), was das Kind gesagt hat. Wichtig ist, dass die Eltern ein korrektes Sprachmodell in der Sprache anbieten, die sie am besten beherrschen.


Sprachförderung in Vernetzung mit Sprachtherapie: gemeinsam Sprache fördern
Weisen Kinder Sprachentwicklungsstörungen in beiden Sprachen auf, die vom Kinderarzt/von der Kinderärztin und einem Logopäden/einer Logopädin festgestellt wurden, so kann es eine günstige Vernetzung der Sprachförderung im Kindergarten und der Zielsetzungen der logopädischen Therapie geben. Somit können sowohl Sprachtherapeuten von alltäglichen Beobachtungen der pädagogischen Fachkräfte im Kindergarten als auch diese von denen der Logopäden in der Therapie profitieren und im Sinne der Förderung des Kindes zusammenarbeiten.
Während Sprachförderung im Kindergarten stattfindet, können logopädische Therapieinhalte in der Regel in einer logopädischen Praxis durchgeführt werden. Die inhaltlichen Bereiche von Sprachförderung und Sprachtherapie können ähnlich wirken, vor allem wenn es um Wortschatzerweiterung oder um den Aufbau grammatischer Strukturen geht. In einer Sprachtherapie jedoch wird spezifisch auf das Kind und die jeweilige Störung (Aussprache, Grammatik, Wortschatz, Stottern usw.) bezogen gearbeitet. Eine Sprachfördermaßnahme kann daher eine logopädische Therapie nicht ersetzen.
Mangelnde deutschsprachige Kenntnisse bei Kindern, die eine gut entwickelte Erstsprache haben, stellen einen Sprachförderbereich (Kindergarten) dar, während Sprachstörungen in beiden Sprachen sowie sonstige festgestellte Entwicklungsstörungen u.a. in die Logopädie gehören. Hier greift die Empfehlung, „das Kind möge Deutsch im Kindergarten lernen“, zu kurz.
Nachweislich profitieren Kinder mit Entwicklungsstörungen nicht ausreichend von reinen Sprachförderangeboten im Kindergarten und
stagnieren in ihrer Entwicklung, wenn sie keine entsprechend medizinischtherapeutische Abklärung und ggf. Therapie erhalten.

Wann sollten Eltern mehrsprachiger Kinder sich beraten lassen?
Eltern sollten sich durch den Kinderarzt/die Kinderärztin und einen Logopäden/eine Logopädin beraten lassen, wenn:
Das Sprachförderprojekt von Anja Mannhard exemplarisch durchgeführt im Pestalozzi-Kindergarten Lörrach zeigt den engmaschigen und direkten Austausch zwischen Sprachförderung, gemeinsam durchgeführt von Erzieherinnen und Logopädin und die Kooperation mit Sprachtherapie auf – durch Erzieherinnen und Logopädinnen im Tandem – im Sinne einer gemeinsamen erfolgreichen Sprachförderung für mehrsprachige Kinder.

Inhaltliche Beschreibung des Projekts
Während der Projektphase von Januar – Mai 2010 mit insgesamt 75 Stunden Sprachförderung kam die Logopädin Frau Mannhard in der Regel 2x wöchentlich à 5 Stunden pro Woche in die Einrichtung zur Sprachförderung. Die Stunden wurden durch die Hospitation einer Erzieherin der Einrichtung begleitet, die die Schnittstelle zwischen aktuellen Themen des Kindergartens, Inhalten der Sprachförderung und dem Austausch mit den anderen Erzieherinnen der Einrichtung bilden sollte.
Die beteiligten Kinder waren die Kinder der Einrichtung, die bei der ESU (Schuleingangsuntersuchung) als sprachauffällig eingeschätzt wurden.
Frau Mannhard führte bei jedem dieser Kinder eine eigene sprachdiagnostische Untersuchung durch. Dabei deckten sich die Ergebnisse teilweise mit denen der ESU, teilweise unterschieden sie sich stark: So zeigten ein Teil der Kinder in der Untersuchungssituation in für sie gewohnter Umgebung (Kindergarten) weitaus bessere Ergebnisse als bei der einmaligen Untersuchung durch für sie fremde Personen des Gesundheitsamtes. Zudem konnten die Ergebnisse der Logopädin direkt mit den Beobachtungen der Erzieherinnen der Einrichtung abgeglichen werden, die die Kinder ja lange kannten und in diversen Alltagssituationen erlebten. So kamen wir zum Ergebnis, dass ein Teil der bei der ESU
als auffällig eingeschätzten Kinder gar keinen spezifischen Sprachförderbedarf hatten. Bei einem anderen, weitaus größeren Teil der Kinder, stellte die Logopädin neben dem Sprachförderbedarf zudem Sprachtherapiebedarf fest – eine Tatsache, die dem Gesundheitsamt mit der reinen Empfehlung nach Sprachförderbedarf entgangen war.
Es lohnt sich also durchaus, Fachkräfte wie Logopäden zur Sprachdiagnostik einzusetzen, will man keine Fehleinschätzungen treffen.

Die Ergebnisse der logopädisch-sprachpädagogischen Untersuchungen und Beobachtungen wurden den Eltern der beteiligten Kinder im gemeinsam geführten Gespräch von der Logopädin und einer Erzieherin im Kindergarten mitgeteilt – neben einer Information zu den Zielen und Inhalten des Sprachförderprojekts. Das gemeinsame Gespräch gab zudem Gelegenheit, auch die Einschätzungen und Bedürfnisse der Eltern zu hören und Anregungen zur Sprachförderung und mehrsprachigen Erziehung im häuslichen Umfeld zu geben. Dieser Austausch wurde von allen Eltern als sehr lohnenswert und bereichernd beschrieben.
Im Rahmen der Projektphase kamen immer wieder Kinder neu in die Einrichtung, die kaum oder gar kein Deutsch sprechen konnten. Diese wurden fortlaufend in das Sprachförderprojekt integriert, weiter auch andere Kinder, die außerhalb des Rahmens der ESU von den Erzieherinnen aufgrund ihrer Alltagsbeobachtungen als sprachauffällig eingeschätzt wurden, hierbei auch jüngere Kinder.
Ergebnisse einer Studie aus Weingarten und Heidelberg (2009) zeigten, dass Sprachförderprojekte, die gerade mal ein Jahr vor der Einschulung durchgeführt werden, nur mangelhafte Ergebnisse vorweisen können. Zudem sind die Aus- und Weiterbildungsvoraussetzungen vieler Erzieherinnen, die diese Maßnahmen durchführen, so unterschiedlich (manche weisen gar keine spezifische Fort- und Weiterbildung auf), dass die Erfolge der Sprachförderung für die Kinder teilweise als fragwürdig eingeschätzt werden müssen. Auch hier können pädagogische Fachkräfte vom spezifischen Wissen und der Erfahrung von Logopäden profitieren, wenn sie mit ihnen entsprechend zusammenarbeiten.

Ziele des Sprachförderprojekts

Ergebnisse nach 75 Stunden Sprachförderprojekt
Von durchschnittlich 12 beteiligten Kindern zeigten 3 Kinder nach wenigen Einheiten Sprachförderung so gute Fortschritte, dass kein spezifischer Sprachförderbedarf mehr erforderlich war. Bei einem weiteren Kind war dies ebenfalls der Fall, dieses profitierte jedoch aufgrund etwas eingeschränkter Konzentrationsleistungen noch weiter von den Fördereinheiten. Die Kinder, die wenig Deutsch sprachen, zeigten verstärkt Aufmerksamkeit und Interesse an der deutschen Sprache und öffneten sich zunehmend für sie. Bei einem dieser Kinder kam es nach anfänglicher Verweigerung der expressiven deutschen Sprache gegen Ende des Projekts zum aktiven Kommunizieren in einfachen korrekten Hauptsätzen in der deutschen Sprache. Alle Kinder erweiterten ihren Wortschatz und ihre grammatischen Fähigkeiten, zwei Kinder in ganz
erheblich positivem Ausmaß, wenn man die Leistung gegen Ende des Projekts mit der am Anfang verglich. Bei drei Kindern bestanden weiter Transferprobleme in der Morphologie der deutschen Sprache und ein Kind konnte bis zum Ende nicht aktiv grammatisch korrekte Sätze bilden. Dieses Kind befand sich zudem in logopädischer Behandlung. Die Ergebnisse des Projekts dürfte für die meisten beteiligten Kinder als erfolgreich angesehen werden, wenngleich bei manchen Kindern ein weiterer Sprachförder- und/oder Therapiebedarf besteht.
Dieses exemplarische Sprachförderprojekt zeigt den engmaschigen und direkten Austausch zwischen Sprachförderung – gemeinsam durchgeführt von Erzieherinnen und Logopädin – und die Kooperation mit Sprachtherapie auf, durch Erzieherinnen und Logopädinnen im Tandem im Sinne einer gemeinsamen erfolgreichen Sprachförderung für mehrsprachige Kinder. Diesen Fachbeitrag finden Sie ab Juli 2010 auf www.anjalingua.de in derzeit folgenden Sprachen (Erweiterung geplant) zum kostenlosen Download:
Deutsch
Englisch
Französisch
Alemannisch
Hinweis:
Wir suchen noch dringend eine italienische, russische und türkische Übersetzung! Interessierte bitte melden.

Literatur & Adressen
Mannhard, A. & Braun, W. G. (2008)
Sprache erleben – Sprache fördern. Praxisbuch für Erzieherinnen.
Ernst Reinhardt, München
Mannhard, A. & Winskowski-Hättich, B. (2010)
Bildungs- und Erziehungspartnerschaft zwischen Kindergarten und
Grundschule: Ein Ausflug in ein kooperatives Sprachförderprojekt an einem
Beispiel aus Baden- Württemberg.
L.O.G.O.S. interdisziplinär Band 18, Ausg. 1, S. 50-54
Mannhard, A. (2009)
Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen – Sprachtherapie in der
Logopädie. Kinder- und Jugendarzt, 40.Jg. Nr. 6, S. 359-362
Mannhard, A. (2007) Sprachförderrallye.
Ein Spiel für Kindergarten, Grund- und Sonderschule und Elternhaus.
Schubi, Braunschweig
Mannhard, A. & Scheib, K. (2007, 2. Aufl.)
Was Erzieherinnen über Sprachstörungen wissen müssen.
Ernst Reinhardt, München
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Gestaltung & Layout: Jeanette Wäldin
www.sprachspielwiese.de